Stand: 1. Oktober 2011

  Das Herscheid-Lexikon
Lexikon A-Z Stichwörter alphabetisch
Gemeindearchiv Findbuch u. andere Quellen
Orts-Chroniken etc.
Vereine Chroniken, Jubiläen usw.
Firmen-Chroniken von A-Z
Jahresrückblicke der WR, ST u. a.
Schulchroniken aller Herscheider Schulen incl. VHS (im Aufbau)
Bürgermeister Amtmänner, Gemeindedirektoren etc.
Häuserbuch Güter, Höfe, Domänen, Wohngebäude
Denkmalliste Liste der eingetragenen Baudenkmäler
Handelsregister beim Amtsgericht
Historische Quellen Findbuch, Zeitungsarchiv, Bibliographie
Personen Namen, Sippen, Familien
Genealogie Namen sind Nachrichten


Quelle: Einwohnerbuch des Kreises Altena 1931/1932

Das Amt Herscheid umfasst einen Gesamtflächeninhalt von 5.758 ha, davon 3.250 ha Wald, 1.433 ha Ackerland, 992 ha Wiesen, 75 ha Haus- und Hofräume sowie Gartenland.
Die letzte Volkszählung ergab 3.292 Einwohner, und zwar 1.671 männliche und 1.621 weibliche. Dem Religionsbekenntnis nach waren 3.124 evangelische, 114 katholische und 54 andersgläubig.
An bewohnten Gebäuden sind 546 vorhanden.

Geschichtliche Ereignisse aus dem Amt datieren bis in die Zeit der Römerherrschaft zurück. Um die Wende des ersten Jahrhunderts hatten die Angrivarier oder Engern hier ihren Wohnsitz. Den Ampsivariern, ein Zweig dieses Volkes, die im Lenne- und Volmetal angesiedelt waren, schreibt man die Gründung der Orte zu, deren Namen auf "ohl" und "scheid" enden. Demnach wäre das Dorf Herscheid schon eine recht alte Ansiedlung. . . .

Die geringen Erträge, die Ackerbau und Viehzucht den Bewohnern boten, veranlassten sie schon früh zur Gewerbetätigkeit. Man nimmt an, dass Deutzer Mönche ums Jahr 1003 die Osemundschmiederei in Angriff nahmen und diese Art gewerblicher Tätigkeit von Haus Rhade an der Volme nach Herscheid brachten.

Der Holzreichtum der Wälder und die zahlreich vorhandenen Bäche mit ihrem Gefälle ließen die Osemundindustrie in den kommenden Jahrhunderten emporblühen. 1552 sollen in der Gemeinde Herscheid 13 Osemundstätten in Betrieb gewesen sein. Durch die Entdeckung neuer Verfahren in der Eisenverarbeitung war die Osemundindustrie einem langsamen Untergange geweiht. Zahlreiche Hämmer finden sich heute noch in den Tälern des Amtes. Zum Teil sind sie umgebaut als Breite- und Reckhämmer in Gebrauch.

Neben Eisen schürfte man in früherer Zeit Kupfer, Blei und Silber. Die Bergbautätigkeit erstreckte sich ferner auf die Ausbeutung von Kalk, Grauwacke, Schiefer und Schwerspat.
In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich eine lebhafte Kleineisenwarenindustrie, die Fitschen, Nägel, Stocheisen, Pfannen, Ketten und Feilen herstellte. Gegenwärtig wird in den industriellen Werken des Amtes die Kleineisenwarenindustrie fabrikmäßig betrieben.


Quelle: Aus der Geschichte der Gemeinden Plettenberg, Ohle und Herscheid, P. D. Frommann, 1927, S. 158

Das Amt Herscheid

1832 bekam Herscheid Postwagen-Verbindung mit Plettenberg und Lüdenscheid, 1842-1845 eine "chaussierte" Straße nach diesen Städten, nach 1871 eine Personenpost dorthin, und am 8. Juli 1915 wurde der Eisenbahnbetrieb zwischen Herscheid und Plettenberg-Eiringhausen eröffnet.

Die als Bußtage zur Erinnerung an das große Brandunglück im Jahre 1686 alljährlich mit Gottesdienst gefeierten "Brandtage" wurden 1845 abgeschafft. Da brach am 1. Mai 1862 eine neue verderbliche Feuersbrunst im Dorfe aus. Starker Südostwind hatte große Dürre verursacht. Ein Teil der Dorfbewohner war morgens mit den Militärpflichtigen nach Plettenberg zur Musterung gegangen und fast alle übrigen arbeiteten auf dem Felde, als plötzlich die Kettenschmiede des Pet. Wilh. Bauckhage brannte.

Der Brand ist angeblich dadurch entstanden, dass ein unvorsichtiger Gehülfe mit einem brennenden Strohwisch zu nah an das Strohdach kam. Fast gleichzeitig fing auch das Haus "auf der Nacht" Feuer. Weil es an Menschen und Wasser fehlte, so war an Löschen kaum zu denken. Jeder rettete, was er konnte, zuerst das Vieh. Trotzdem verbrannten [dem] Kaspar Schmalenbach in Selters Hause 4 Kühe und 1 Rind, Hüttebräucker im Langenhaus 1 Kuh und anderen Ziegen und Schweine.

Innerhalb 20 bis 25 Minuten waren 36 Wohnhäuser, darunter auch die Schule, 16 Nebengebäude niedergebrannt. Ein Menschenleben fiel dem Feuer zum Opfer; das herabfallende brennende Strohdach des Hauses "auf der Nacht" verschüttete die darin wohnende fünfzigjährige Wilhelmine Stamm.


Lexikon der Gemeinde Herscheid, erstellt durch Horst Hassel © ,
58849 Herscheid, Tel.: 02357/903090, E-Mail: webmaster@herscheid-lexikon.de

© Der Inhalt und die Form dieser digitalen Quellensammlung sind urheberrechtlich geschützt. Sämtliche Informationen sind nur für die persönliche und private Verwendung bestimmt. Das Herscheid-Lexikon entspricht einem digital aufbereiteten und nur so zugänglichen Archiv. Jede weitergehende Verwendung, insbesondere die Speicherung in Datenbanken, die Veröffentlichung, Vervielfältigung und/oder jede Form von gewerblicher Nutzung sowie die Weitergabe an Dritte - auch in Teilen und/oder in überarbeiteter Form - ohne Zustimmung des Autors ist untersagt. Sollten sogenannte "Links" eingefügt sein, so distanziert sich der Autor von evtl. rechtswidrigen Inhalten fremder Seiten.