Quelle: Geschichte des Kreises Altena, 1911, S. 38-40 - im Archiv H. Hassel

Herscheid

Auf der Höhe der paßartigen Einsattlung, die die Wasserscheide zwischen dem Else- und dem Versebach bildet, über die durch den Ort die Straße von Plettenberg nach Lüdenscheid führt, liegt das Dorf Herscheid, 430 m über N.N. Das Gebiet der zugehörigen, gleichbenannten Gemeinde (im Jahre 1905 3.057, im Jahre 1909 3.158 Einwohner) zählt 5.749 ha mit 124 Einzelsiedlungen, die sich auf vier historische Bauerschaften verteilen. Es sind:

1. Die Bergbauerschaft, nördlich, nach Lüdenscheid zugewandt,
2. die Silveringhauser Bauerschaft, westlich nach Kierspe zu,
3. die Ebbebauerschaft, südlich gegen das Ebbe zu,
4. die Danklinghauser Bauerschaft, östlich gegen Plettenberg hin.

Unter den Süderländischen Orten, über die sicher geglaubte, geschichtliche Nachrichten vorliegen, zählt Herscheid zu den ältesten. Auf dem, nach drei Seiten steil abfallenden Spielberge, neben dem Dorfe, war einst eine germanische Kultstätte. Im Jahr 904 schenkt König Ludwig das Kind der Abtei Kaiserswerth als ständige Pfründe Güter im Duisburger und im Keldagaue, dabei ist auch genannt Herisceithe. Unter den Kirchen und Ortschaften, die Erzbischof Anno II. von Köln im Jahre 1072 dem von ihm gegründeten Kloser Grafschaft "zur Nahrung und Kleidung der Mönche" überweist, befindet sich Hertsceido. Um 1120 wird diese Schenkung vom Erzbischof Friedrich I. für die Kirche zu Hertschet bestätigt. Im Werdener Probsteiregister von 1160 ist unter den für die Abtei Werden nach dem Oberhofe Schöpplenberg abgabepflichtigen Höfen auch einer im Hirutscetha.

Als Graf Adolf I. von der Mark im Jahre 1232 gegen die Herren von Wildenburg und andere Raubritter zu Felde zog, unterstützten ihn die Bürger von Altena und von Herscheid und verhalfen ihm in der Schlacht auf dem Berge Garsebrach oder Garsebracht, jetzt Gaßmert, westlich von Herscheid, zum Siege. 1252 verkaufte der Ritter Gottfried von Hövel einen ihm zustehenden Zehnten im Kirchspiele Herscheid an das Stift St. Severin in Köln.

Die Herscheider besaßen früher das "für die Bauersleute" seltene Recht der niederen Jagd. Es soll ihnen zum Dank dafür verliehen worden sein, dass sie, als Graf Engelbert III. von der Mark einst im Ebbe von seinen Feinden überfallen und gefangen worden sei, im Verein mit den Valbertern ihn wieder befreit hätten. Während der Soester Fehde räumte Graf Gerhard von der Mark dem Erzbischof Dietrich das Recht ein, unter anderen märkischen Besitzungen auch das Kirchspiel Herschede zu verpfänden.

Bis in das 18. Jahrhundert hatte Herscheid seinen eigenen Richter, dann wurde das Kirchspiel dem Hohen Gerichte zu Lüdenscheid und 1753 dem neu gebildeten Landgericht daselbst zugeteilt.
Schon in der Grafschafter Stiftungsurkunde wird gesagt, dass Herscheid im Jahre 1072 schon eine Kirche hatte. Clerici de Hirzschit werden in einer Urkunde vom Jahre 1280 genannt. Der Kölner liber valoris nennt die Abgabe des Pfarrers zu Hertscheide an das Erzstift. Die Kollation stand dem Abte des Klosters Grafschaft zu.

Zu der alten Kirche, die durch einen Brand im Jahre 1686 stark beschädigt wurde, gehörten früher mehrere Kapellen. Die erste stand am alten Weg nach Werdohl auf einem Berge bei einer alten Linde, eine zweite, die St. Antonikapelle, stand zwischen Habbel und Hüinghausen an der Straße nach Plettenberg, eine dritte bei Niederholte in der Silveringhauser Bauerschaft. Alle drei sind heute verschwunden.

Unter dem Pfarrer Johannes Wineken begann 1554 in Herscheid die Reformation, die unter seinem Nachfolger im lutherischen Sinne durchgeführt wurde. Dem Vikar von Herscheid oblag bis 1745 auch die Besorgung der Gemeindeschule.
Eine uralte Schlackenhalde, Pinge, als Rest einer uralten Schmelze, ist bei der Herscheider Mühle gefunden. Von Steinen berichtet, dass man am Silberg oder Silverich in der Silveringhauser Bauerschaft nach Silber gegraben habe. Die Ausbeute ist jedoch derart gewesen, dass die Kosten des Abbaus und der Verhüttung den Metallertrag vielfach überstiegen, so trog denn hier wie auch vielfach anderswo die merkantilistische Sucht nach Edelmetall. Der Betrieb ging um 1650 ein, ebenso auch die in der Nähe betriebene Schürfung nach Kupfer.

Sonstige in der Gemeinde urkundlich bezeugte Siedlungen

Ebbe. Im Jahre 1247 verkauft die Gräfin Mechtilde von Sayn dem Erzbischofe von Köln den Wald Ebbe.
Marlin. Im Güterverzeichnis der Grafschaft Arnsberg wird 1338 aufgeführt, dass Everhardus de Ottershem einen Hof zu Morlichusen im Kirchspiele Herscheid hat.
Reblin. Ein Register märkischer Briefschaften aus dem Jahre 1410 bemerkt, dass Johann von Plettenberg dem Grafen Engelbert von der Mark einen Hof in Reblinghaven (diese Schreibweise wird wohl einen Schreibfehler enthalten, es wird wohl Reblinghagen oder -hausen heißen müssen) verkauft habe.
Charakteristisch sind für die Gemeinde Herscheid die Ortsnamen mit der Endung -in, wie neben den genannten Alfrin, Danklin, Friedlin, Germelin, Rärin, Sirrin, Stöpplin, Waldmin, Wellin. Sie haben sich außer anderen Endungen allgemein im Laufe der Zeit wohl die Verkürzung aus -inghausen gefallen lassen müssen.


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Lexikon für die Gemeinde Herscheid, erstellt durch Horst Hassel,
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