Quelle: "Von dem was zum Landgericht Lüdenscheid gehöret", Das II. Kapitel, Vom Kirchpsiel Herschede; J. d. von Steinen, 1755

Vom Kirchspiel Herschede
I. Absatz. Vom Kirchdorff

§ 1.
Das Kirchdorff Herschede, Hirschede, lieget auf einer Höhe an der Landstrassen, so von Lüdenscheid nach Plettenberg gehet, und ist ziemlich groß.
Den Ursprung des Namens kan ich zwar nicht angeben, doch aber auch denenjenigen nicht beystimmen, welche glauben, es deute so viel an, als scheide sich das Gericht und die Veste Lüdenscheid.
Die Einwohner, wie hieselbst, also des ganzen Kirchspiels, nehren sich vom Ackerbau, Viehzucht und Handlung.


§ 2.
Was das Religonswesen anlanget, so ist die ganze Gemeinde der Ev. Lutherischen Religion zugethan, und wird von zwey Predigern bedienet. Von der Religions-Veränderung habe ich folgendes gefunden.
Im Jahr 1554 hat Johann Winncke die Reformation angefangen, und war sein erster Lutherischer Vicarius Peter von Winninckhausen.
Als dieser im Jahr 1566 ohngefehr Pastor zu Ohle wurde, kam Casper Aquarius an seine Stelle, der nebst seinem Pastor die Evang. Luth. Lehre eifrig trieb.
Im Jahr 1592 legte J. Winncke die sterbliche Hülle ab, worauf das folgende Jahr 1593 d. 29. Junius Johan Rerinckhaus wieder als Pastor beruffen wurde.
Im Jahr 1599 ging C. Aquarius als Pastor nach Ohle, es kam aber in eben dem Jahr Arnold Fischer (Piscator) als Vicarius wieder hierhin, und dieser hat nebst seinem Pastor die erste allgemeine Evangelische Lutherische Prediger-Versammlung aus der Graffschaft Mark in der Stadt Unna besuchet, und 1612 das Glaubens-Bekäntniß unterschrieben.
Ist es also irrig, wann in dem kurzen und warhaftigen Bericht der Differentien zwischen den Häusern Chur-Brandenburg und Pfaltz-Neuburg wegen des Religionswesens, Seite 48, stehet: Im Jahr 1609 sey hier noch ein Röm. Catholisch Exercitium gewesen.
Im Jahr 1624 ging J. Rerinckhaus den Weg allen Fleisches, worauf Anton Schulte (Praetorius) wieder als Pastor erwählet und 1625 d. 8. April zu Soest ordinirt wurde.
A. Fischer verwechselte das Zeitliche mit dem Ewigen d. 8. Sept. 1649. Als nun d. 5. Octob. 1650 die Wahl auf Daniel Fabricius, bisherigen Schuldiener zu Hattingen, fiel, wurde selbiger d. 5. April 1651 vom zeitlichen Inspector Davidis in der Kirchen zu Unna zu seinem Amt eingesegnet.
Zu welcher Zeit A. Schulte gestorben, weiß ich nicht, dieses aber, daß er 1658 noch gelebet, und Johan Schmale, von Lüdenscheid bürtig, zum Nachfolger in dem Pastorat bekommen hat.
Im Jahr 1658 wurde D. Fabricius vom Drosten zu Altena gefangen genommen, die Ursachen und wie es ihm nachhero gegangen, habe ich nicht, dieses aber gefunden, daß nach ihm Johan Schultz als Vicarius beruffen und im Jahr 1660 d. 31. Octob., war der 23 Sonntag nach Trinitatis, vom Inspector Davidies in der Kirchen zu Unna ordinirt worden ist.
Er muß aber dieser Gemeine nicht lange gedienet haben, weil im Jahr 1664 Johan Diederich Gervershagen von der Gemeine beruffen wurde, die Vicarey- Bedienung zu verwalten.
In eben dem Jahr 1664 ging der Pastor J. Schmale (die Ursachen verschweige ich) mit Weib und Kindern davon, begab sich nach Werll, nahm die Röm. Cathol. Religion an und wurde daselbst Notarius publicus.
Wie hierauf die Gemeine Degenhard Pollmann wieder berieff, wurde selbiger 1665 d. 22 Febr. vom Inspector Davidis ordinirt, sein Vicarius J. D. Gervershagen aber erst d. 25 May 1673, und zwar zu Herschede in der Kirche durch Herman Rovenstrunck, Pastor zu Kierspe, welchen der Inspector Davidis, der sich wegen der Französischen Streiffereyen nicht wagen dorfte, dazu bevollmächtiget hatte.
Gervershagen gibt dieses selber in unserem Bekänntnüßbuch durch folgende Unterschrift zu erkennen:
Ego Joh. Theod. Gervershagen, Vicarius Herschedensis, cuti antea nomen meum in ordine Satrapiae Altenanae hodie professus, & propter turbulentissimum tum temporis es Gallico milite statum, per subdelegationem a Domino Inspectore factam, die 25 Martii 1673. in Ecclesia Parochiali Herschedensi a R. D. H. Rövenstrun ck, Pastore Kierspensi ordinatus tui, sic jam nomen meum hisce quoque profiteor. Anno 1674 d. 9 Aug.
Im Jahr 1695 starb D. Pollmann, und bekam in eben dem Jahr sein Sohn Johan Herman Casper Pollmann zum Nachfolger, welcher sich auch d. 7. Julius durch den Inspector Mentz ordiniren ließ.
J. D. Gervershagen ging in die Ewigkeit im Jahre 1707. Als nun die Gemeine Wilhelm Degenhard Pollmann, des Pastors Bruder, wieder berief, wurde er d. 29. Junius, am Festtage Peter und Pauls in der Kirchen zu Hagen, vom Inspector Emminghauß, als Vicarius in Herschede eingeweihet.
Als im Jahr 1727 J. H. C. Pollmann versturbe, und sein Bruder W. D. Pollmann die Pastorat bekam, ist Peter Casper Hökerhoff, von Lennep gebürtig, als Vicarius beruffen, und d. 14. Julius 1728 in der Kirche zu Schwelm durch den Inspector Karrhauß dazu ordinirt worden.
Im Jahre 1739 hat W. D. Pollmann die Schuld der Natur bezahlet, welchem ich hieselbst noch zum Ruhm nachschreiben muß, daß er mir im Jahr 1736, aus dem Herscheder Kirchenbuch sehr vieles, zu obigen Nachrichten gehörig, mitgetheilet hat.
Wie hierauf P. D. Holterhoff Pastor wurde, fiel die Wahl zum Vicariat auf Johan Hermann Lange, gebürtig von Lüdenscheid, welcher sich darauf d. 11. März 1740 durch den Inspector Emminghauß ordiniren ließ.
Als dieser im Jahr 1743, den Beruf als Pastor zu Langentreer annahm, erwählte zwar die Gemeinde Niclas Glaser, von Halver bürtig, weil sich aber wegen Haltung der Schule, die bishero mit dem Vicariat verknüpft gewesen war, und sonsten, einige Schwürigkeiten hervor thaten, verzog sich die Ordination bis 1745, da sie endlich nach abgemachten Streitigkeiten, am 8. Sonntag nach Trinitatis vorgenommen und besagter Glaser, als zweyter Prediger, durch den Inspector Erich, in der Kirchen zu Herschede, eingesegnet wurde. Im Jahr 1753 ging Glaser als Prediger nach Altena, darauf die Gemeine ganz einstimmig Johan Peter Casper Brüggen, von Ronsal, wieder berief, und den 23. August durch mich in der Kirchen zu Herschede ordniren ließ.
§ 3.
Von Kirchlichen Gebäuden finden sich:
I. Die Evang. Lutherische Pfarkirche, ist ein alt doch gutes Gebäude, auch mit einer guten Thurmspitze gezieret. Die Zeit der Erbauung ist nicht bekant. Im Jahr 1686 d. 1. April wurde sie zwar durch einen unglücklichen Brand sehr beschädiget, aber auch bald wieder in den gegenwärtig schönen Stand gesetzet. Auf dem Thurm sind 3 Glocken.
II. Kapellen. Vorzeiten sind im Kirchspiel 3 Kapellen gewesen, davon aber itzo nur das Andenken übrig ist.
Die erste, hat gelegen nicht weit vom Dorf am Wege nach Werdohl auf dem Berge, da itzo noch eine Linde stehet.
Die zweyte, in der Dancklinger Bauerschaft zwischen Hüinghausen und Habbel, und hat den Namen St. Antons Kapelle.
Die dritte, in der Silveringer Bauerschaft zu Niedernholte.
III. Die Kirchspiels-Schule, lieget im Kirchdorff, neben dem Kirchhof.
2. Absatz.
Von denen zum Kirchspiel gehörigen Bauerschaften und übrigen Merkwürdigkeiten.
§ 1.
Ausser der so genannten Dorf- oder Herscheder Bauerschaft, in welcher die Kirche lieget, gehören zu diesem Kirchspiel noch vier Bauerschaften, die gelegen sind
I. Die Bergbauerschaft, nach Lüdenscheid
2. Die Dancklinghauser Bauerschaft, nach Plettenberg.
3. Die Ebbe Bauerschaft, nach Valbert.
4. Die Silveringhauser Bauerschaft, nach Lüdenscheid und Kirspe.
II. Theil.
§ 2.
Sonst ist bey diesem Kirchspiel noch folgendes zu merken.
I. Vorzeiten hat das Kirchspiel seinen eigenen Richter gehabt, wie dann noch im vorigen Jahrhundert Anton Habbel, und nach ihm Herman Hymmen das Richterant zu Herschede besonders verwaltet haben; nach dieses Tode aber ist Herschede dem Hochgrafen zu Lüdenscheid beygeleget worden, und gehört itzo mit zum Landgericht Lüdenscheid.
2. Die Eingesessenen des Kirchspiels Herschede, haben die Freyheit klein Wildpret zu jagen, welches Recht vor die Bauersleute etwas seltenes in der Grafschaft Marck ist; auch haben sie die treflichsten Marckgerechtigkeiten in der so genannten Herscheder Marck, die sich etliche Stunden weit erstrecket, und wozu das Ebbe, Homberg, Mattenhagen, Jauberg, Molmert u. f. gehören.
3. Am Montag nach Trinitatis, wird zu Herschede Jahrmarkt gehalten.
4. Nahe bey Herschede entspringet die Fesse [Verse], ein sehr nützlicher und fischreicher Fluß, fast so stark wie die Volme, welcher, nachdem er einige Osemund- Haemmer getrieben hat, bey Werdohl in die Lenne fält. Im Herscheider Ebbe entspringet die Ebbecke, und bey dem Hof Else, nimt die Else ihren Ursprung, von welchen beyden Flüssen, im Amt Plettenberg gehandelt wird.
5. Zwischen Herschede und Valbert, lieget ein hohes und grosses Gebuerge, welches sich etliche Stunden weit erstrecket, die Ebbe geheissen, auf welchem sich viel grob Wild, auch Hasel- und Birckhuener finden, es ist aber daselbst im Winter die Witterung sehr rauh. Von diesem hohen Berge hat ein gewisser Poet geschrieben: Ebbius ille pater, montes supereminet omnes.
6. Der Silberg oder Silverich in der Silveringhauser Bauerschaft gelegen, ist ein großes Gebuerge, welches daher den Namen bekommen hat, weil man vorzeiten an demselben Silbererz gegraben hat. Auch hat er Kupfer gegeben, wie dann noch in diesem Jahrhundert, ein Kupfer-Bergwerk zwar angeleget, aber weil es nicht ergiebig genug, wieder deserirt worden ist.
7. Im Kirchspiel finden sich viel Eisen-Hämmer und viel Kalksteine.
8. Zum Habbel, zu Hervel und zur Mühlen, finden sich Korn-Mühlen, welche zwar privat Personen zustehen, aber wegen der dazu gehörigen Zwangspflichtigen, ein gewisses an den Landesherrn zahlen müssen.


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Lexikon für die Gemeinde Herscheid, erstellt durch Horst Hassel,
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