Quelle: Geschichte der Industrie im märkischen Sauerland, Band II, Kreis Altena, Dr. Ernst Voye, 1910, S. 287-290

Hammerwerke in Herscheid

Die alten Hämmer sind nun die folgenden:
Der sogenannte unterste Hammer , auch Geckshammer an der Ebbe, unter Kiesbert Osemundhammer. Dieser gehörte Anfang des 19. Jahrhunderts Caspar Schulte zu Elsen, 1843 Joh. Casp. Geck zu Kiesbert, der jährlich etwa 550 Zentner Osemund im Werte von 2.750 Tlr. herstellte. Geck verkaufte vor einigen Jahren die Hammergerechtsame an Schäfer in Ebbe, welcher in dem Teiche des verfallenen Hammers eine Fischbrutanstalt anlegte, die jetzt noch mit guter Rentabilität besteht.

Der mittelste Hammer bei Baukhagens Wirtschaft an der Ebbe. Dieser Hammerbetrieb kam nach mehreren Verkäufen in die Hände des Landwirts Hrch. Baukhage, der jetzt darin eine Kornmühle, Bäckerei und Gastwirtschaft betreibt.

Der oberste Hammer an der Ebbe, dem Emeszaun gegenüber. Nachdem er eine Zeit lang als Papiermühle gedient hatte, ist er verfallen.


In der Deutschen Grundkarte sind die Hämmer heute noch verzeichnet. Kartenausschnitt: Katasteramt MK

Unter dem untersten Hammer befand sich noch ein vierter, an welchem vor einigen Jahren die aufgefundenen Schlacken abgefahren wurden, um deren 60-prozentigen Eisengehalt wieder auszuschmelzen. Ein E. Grüber aus Reblin suchte den Hammer zu renovieren, musste jedoch davon absehen. Die letzten Reste dieses Kottens sind vor einigen Jahren beseitigt.


Ein fünfter Hammer liegt unterhalb dem Daum am Ebbebach. Die Besitzer, Kellermann & Herfel, bauten ihn später um zu einem Schleifkotten, der aber nicht mehr betrieben wurde. Das jetzt still stehende Gebäude führt noch den Namen Schleifkotten. In den (18)30er Jahren gehörte das Werk Casp. Dietr. Schulte zu Elsen, der jährlich etwa 450 Zentner Osemund im Wert von 2.250 Tlr. herstellte. 1899/1900 sind hier 6 bis 7 Waggons Schlacken zur Wiederverhüttung abgefahren worden. Jetzt gehört die Besitzung der Gemeinde Herscheid und wird als Armenhaus benutzt.


An der Hand einer Aufstellung aus den Akten des Amtes Herscheid vom Jahre 1837 seien weiter die früher vorhandenen und jetzt noch bestehenden Hämmer genannt:
Auf dem Elsebach bei Hüinghausen, Gebr. Bröcker zu Baddinghagen. Osemund 1837: 16.000 Pfund, 800 Tlr. 3 Arbeiter. Ist vollständig verfallen, man sieht nicht einmal die Spuren noch; dies war einer der ältesten Hämmer.
Auf der Verse bei Stottmert, P. C. Buschhaus zum Rucke, jetzt Vollmann zu Homert gehörig. Osemund 1837: 40.000 Pfund, 2.000 Tlr. 4 Arbeiter. 1843 gehörte er C. H. Buschhaus und J. P. Nachrodt zu Stillebeul: 650 Zentner, 3250 Taler 4 Arbeiter. Jetzt noch von Nachrodt zu Stillebeul betrieben zum Stahlrecken. Ist einer der ältesten Hämmer.
Auf der Verse weiter abwärts, 1837 Geck zum Stillebeul gehörig. Osemund: 56.000 Pfund, 2.800 Tlr. 4 Arbeiter. 1844: J. P. Nachrodt zu Stillebeul gehörig: 625 Zentner, 3.123 Tlr. 4 Arbeiter. Hieraus wurde 1870 eine Papierfabrik und Dachpappenfabrik von Aug. Kellermann eingerichtet. Dann machte Rud. Schmidt eine Zeitlang Gabeln darin. Seit 1900 gehört das Werk Vollmann zu Homert.
Noch weiter abwärts Spannagel zum Clame, 1837 Osemund: 58.000 Pfund, 2.900 Tlr. 4 Arbeiter. 1843 ist Fr. Kayser zu Werkshagen Mitinhaber. 65.000 Pfund, 3.250 Tlr. 4 Arbeiter. Gehört jetzt: Nachrodt zu Stillebeul, der darin Eisen reckt. Dieser Hammer ist einer der alten Hämmer. Gegenwärtig liegt der Hammer jedoch still.
Auf dem Ahebach unterhalb der Herscheider Mühle, 1837 Herrn von Holtzbrink gehörig, Pächter Brünninghaus zu Wenninghausen bei Lüdenscheid. Osemund: 34.000 Pfund, 1.700 Tlr. 3 Arbeiter. Dieser Hammer ist verfallen, nur noch Teichreste sind zu sehen.
Auf dem Versebach, jetzt Ahebach genannt, oberste Verse-Hammer, Joh. Dietr. Baukhage zu Friedlin. Osemund: 45.000 Pfund, 2.250 Tlr. 4 Arbeiter. 1844: 400 Zentner, 2.000 Tlr. 3 Arbeiter. Der Hammer ging durch mehrere Besitzer, in den [18]40er Jahren an D. W. Schulte in Verse über. Den obersten Hammer machte dieser in den 1850er Jahren zu einer Knochenstampfe. Dieser ist seit Jahren stillgesetzt. Seit Mitte 1909 ist das Werk zu einer Metallwarenfabrik (Fassondreherei) ausgebaut und und in beständiger Ausdehnung begriffen. Besitzerin ist die Firma A. Schulte, Pächter Ernst Wertmann zu Verse.
Den untersten Versehammer erwarb ebenfalls D. W. Schulte zu verse und baute ihn 1831 zu einer Sägemühle um. Diese wurde durch dessen Söhne 1860 zu einer auf neuem Gefälle stehenden Holzwarenfabrik erweitert und das ursprüngliche Werk 1906 abgebrochen. 15-20 Arbeiter.
Auf dem Ahebach bei Vogelsang, 1837 Gebr. Brünninghaus zu Brünninghausen gehörig, Osemund: 45.000 Pfund, 2.250 Taler 4 Arbeiter. Jetzt Voßloh & Rarin gehörig. Das Werk wird jetzt zur Fabrikation von Drahtzieheisen benutzt. Es gehört zu den ältesten Hämmern.
Am Ahebach unter der Schwarzen Ahe, Gebr. Brünninghaus zu Brünninghausen gehörig. Osemund 1837: 60.000 Pfund, 3.000 Taler 4 Arbeiter. 1844 Casp. Brünninghaus gehörig, 150 Zentner, 750 Tlr. 4 Arbeiter. Dieser alte Hammer wird seit längeren Jahren von den Nachfolgern des Vorbesitzers Gebr. Brünninghaus in Werdohl zum Stahlrecken benutzt.
Ebenfalls auf dem Ahebach ist neben der Schwarzen Ahe in den 1870er Jahren ein neues Hammerwerk auf neuem Gefälle durch Aug. Brune, Brüninghausen, erbaut. Dieser verkaufte es 1906 an einen Gustav Faust, durch welchen das Werk an den jetzigen Besitzer C. H. Schulte, Werdohl, kam und zur Drahtziehrei umgebaut wurde.
Caspar Schulte zu Elsen, 1837 Pächter Gebr. Cordt auf dem Elsebach unter Friedlin, Reckhammer für Feilenstahl. 1837: 22.000 Pfund, 1.760 Tlr. 8 Arbeiter. 1843 J. P. Schulte: 1.500 Zentner, 1.050 Tlr. 2 Arbeiter.
Der Birkenhofer Hammer, vorher Schulte in Elsen, später Hohage und dann Gust. Alberts gehörig, jetzt Schröder & Tweer, die Äxte, Beile, Hämmer usw. herstellen.
Auf der Verse bei Stottmert, 1837 Keyser zu Werkshagen gehörig, Reckhämmer für Feilenstahl und Radringe. 40.000 Pfund, 3.200 Tlr. 4 Arbeiter. 1843: H. G. Woeste zu Lüdenscheid gehörig, 800 Zentner, 5.600 Taler 4 Arbeiter. Der Hammer ist seit 40 Jahren zerfallen.

Die genannten Hämmer sind fast alle alte Hämmer, deren Ursprung mit Sicherheit hinter das 18. Jahrhundert zurück zu verlegen ist, die aber höchst wahrscheinlich schon aus dem 17. Jahrhundert stammen. Die Osemundschmiederei fand ihr Ende ungefähr Anfang der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts.

Ein besonderes Gewerbe als Nebengewerbe der Osemundschmiederei, der Fuhrwerksbetrieb, war in Herscheid nicht unbedeutend. Diese Fuhrleute waren zwar von Haus aus Bauern, man erzählt ihnen nach, dass sie den Fuhrwerksbetrieb aus Leidenschaft übernahmen, die Landwirtschaft vernachlässigten und trotz des hohen Lohnes, 2,30 Mark pro Tag, nichts sparten. Von derartigen Fuhrleuten gab es in Herscheid etwa 20 - 30. Sie gingen ins Siegerland, um Rohmaterial zu holen, und zum Absatz der Waren machten sie weite Reisen nach Leipzig, Frankfurt a. d. Oder, wohl auch nach Bremen, Belgien usw.. In den 1840er Jahren hörte dieser Gewerbebetrieb auf.

Mit dem Eingehen der Osemundfabrikation wurden die Hämmer teils stillgelegt, teils umgebaut, wie oben ausgeführt. Gleichzeitig kam auf den Höhen eine lebhafte Fertigschmiederei auf. 1837 hatte Herscheid noch 12 Osemundhämmer, welche zusammen 429.000 Pfund Osemund im Werte von 21.450 Talerm herstellten, 37 Hammerschmiede waren darin tätig, die ungefähr 107 Familienmitglieder ernährten. 1843 war die Zahl der Osemundhämmer schon auf 9 gesunken. Reckhämmer waren 2 vorhanden, die zusammen 95.000 Pfund Reckeisen herstellten.


Quelle: Die Geschichte der Gemeinde Herscheid, Wilhelm Däumer, 1958, S. 155-156
Nach einem Verzeichnis von 1670 - mit Umänderungen bis 1690 - hatte Herscheid 14 Osemundhämmer und zwar:
1. Wittib zu Hostadt ein Werk,
2. Wilhelm aufm Werkshagen und Leopold aufm Stillebeul ein Werk,
3. noch Wilhelm aufm Werkshagen ein Werk,
4. Henrich Dahlmann den Becker Osemundhammer aufm Reblinger Bruch,
5. Peter Bockemühl und Daniel zu Hüinghausen ein Werk,
6. Jacobus zum Habbel ein Werk,
7. und
8. Herr Rentmeister zu Hörde zwei Werke so Neuhaus gebrauchet,
9. Jakob Grüber ein Werk,
10. zu Holte, so Hans aufm Stillebeul gebrauchet. Es handelt sich hier um Johannes Stamm vom Stillebeul, der im Jahre 1701 von den Erben Thomee die heutigen Geckesgüter in Oberholte kaufte. Er war Reidemeister des Versebruchs Osemundhammers, auch Werkshagener Hammer genannt. Der Hammerplatz liegt jetzt in dem Vorstaubecken der Versetalsperre.
11. Zur Verse, so Herr Pastor zu Herschede gebrauchet,
12. Noch zur Verse, so Paul Wissing zu Brenscheid gebrauchet, ein Werk,
13. Herr Anwalt im Vogelsang ein Werk (Stephan Hohann Holtzbrinck),
14. Noch Herr Anwalt zu Helbecke ein Werk (Aher Osemundhammer).
Von den 14 Reidemeistern waren 8 im Kirchspiel Herscheid wohnhaft. Dagegen kommen als Besitzer der 13 Osemundhämmer im Jahre 1592 nur Herscheider Namen vor.


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