Quelle: Heimatchronik des Kreises Lüdenscheid, 1. Auflage 1971, S. 447-449

Heinrich Schmellenkamp - Gesenkschmiede

Herscheid-Birkenhof. Um 1770 erbaute der Reidemeister Schulte aus Elsen bei Herscheid, um in den Genuss von Steuerleichterungen zu kommen, aber auch, um das in seinen 3 Osemundhämmern erzeugte Eisen weiterverarbeiten zu können, eine 'Birkenhofer Hammer' genante Reckstahlfabrik. Das hier vom Roheisen zu feinem Stahl raffinierte und in einer für die Weiterverarbeitung handliche Form gebrachte Osemundeisen wurde an die Kleineisenwarenindustrie des Bergischen Landes geliefert.

Eversmann schrieb über die Betriebsart der Reckhämmer: "Der rohe Stahl und das Eisen werden unterm Reckhammer in Bänder oder Schienen von ungefähr 2 Zoll Breite und 1/3 bis 1/4 Zoll Stärke gereckt. Alsdann werden diese untereinander und mit den Eisenschienen nach gewissen Regeln, die der Schmied wissen muss, und die sich nach der Beschaffenheit des Stahls richten, den man hervorbringen will, übereinander geschichtet, in eine große Zange geklemmt und in den von Kohlen vollgeschlagenen Ofen zum Schweißen gebracht.

Um 1850 wurde auf dem Birkenhofer Hammer ausschließlich Feilenstahl hergestellt. 1857 verkaufte der damalige Besitzer an einem Tage 3000 Pfund dieser Spezialität an eine Siegener Firma. Die Erfindungen des Walz- und Gußverfahrens verdrängten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts diese Methode immer mehr, und auf dem Birkenhofer Hammer ging man zur Herstellung von Kleineisenwaren über. Pflugschare und Hämmer waren neben Fitschen und Nägeln die Hauptprodukte dieser Zeit.


Diese handwerkliche Kleinschmiederei wurde nach Einführung der Dampfmaschine um die Jahrhundertwende abgelöst von einem fabrikmäßig betriebenen Schmieden im Gesenk. Zur Zeit der großen Wirtschaftskrise übernahm Heinrich Schmellenkamp 1932 den Birkenhofer Hammer und baute ihn bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges zu einer modernen Gesenkschmiede aus.
Nach dem Krieg stellten er und seine Nachkommen das Fertigungsprogramm immer mehr in Richtung auf komplizierte Gesenkschmiedestücke von möglichst hoher Qualität um. Kontrollierte und überprüfte Genauigkeit spielen heute die maßgebliche Rolle für Großserienlieferungen, besonders an die Personen- und Lastwagenindustrie. Durch Austausch alter Hämmer, Pressen und Werkzeugmaschinen gegen modernste Aggregate und durch die Anschaffung weiterer moderner Einrichtungen, Transportmittel und Prüfgeräte wird der Anschluss an die schnell fortschreitende technische Entwicklung gewahrt.
Große Anstrengungen aller im Betrieb Tätigen ermöglichen es durch harmonische Zusammenarbeit in Technik, Rationalisierung und Kontrolle, dass heute monatlich viele Hundertausend im Gesenk geschmiedete Konstruktionsteile mit einem Stückgewicht von 100 Gramm bis 30 kg in gleichbleibender innerer und äußerer Qualität das Werk verlassen. Die Firma Heinrich Schmellenkamp ist nach zweihundertjähriger Bewährung gerüstet für künftige Entwicklungen und Aufgaben, die ihr durch die Umformtechnik gestellt werden.


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