Quelle WR Plettenberg vom 12.04.2008

Meistzitierter Herscheider – Bei Gesprächen Carl Schmitts mit hochrangigen Politikern oft dabei
Ernst Hüsmert feiert
heute 80. Geburtstag

Von Claudia Homuth

Herscheid. Er ist mit Sicherheit der in der nationalen und internationalen Literatur- und Zeitungswelt meistzitierte Herscheider: Ernst Hüsmert, über Jahrzehnte hinweg trotz des beträchtlichen Altersunterschiedes Freund und Vertrauter des (wegen seines zeitweiligen Nazi-Engagements umstrittenen) deutschen Staatsrechtlers und politischen Philosophen Carl Schmitt, feiert heute in illustrem Kreise seinen 80. Geburtstag.

Geboren und aufgewachsen Auf der Weide in Plettenberg, besuchte Ernst Hüsmert gemeinsam mit der Schmitt-Tochter Anima das Gymnasium. Christian Linder, der soeben im Verlag Matthes & Seitz in Berlin eine Biographie über Carl Schmitt veröffentlicht hat, schreibt über das erste Zusammentreffen von Ernst Hüsmert und Carl Schmitt an dessen 60. Geburtstag am 11. Juli 1948: „Zu vorgerückter Stunde kam der damals 20-jährige Ernst Hüsmert mit Carl Schmitt in ein Gespräch. Er studierte Ingenieurwissenschaften an der Fachschule in Hagen und schrieb nebenbei Gedichte. Vom gerade entdeckten Werk Theodor Däublers bis in seine Träume hinein mitgerissen, schwärmte Hüsmert Schmitt von Däubler vor und verstreute nach Däublerischer Art Brotkrümel auf Tisch und Fußboden. Schmitt war amüsiert und ließ ihn zunächst gewähren, bis er damit herausrückte, dass er mit dem 1934 verstorbenen Däubler nicht nur befreundet war, sondern als erster und einziger dessen ’Nordlicht’ eine Analyse gewidmet hatte, in einer schon 1916 erschienenen 80-seitigen Schrift. ’Da hatte er mich natürlich an der Angel’, erzählt Hüsmert lachend.

Enge Freundschaft
mit Carl Schmitt

Aus diesem Geburtstagsgespräch entstand eine enge Freundschaft. Bei Hüsmerts Heirat 1956 war Schmitt Trauzeuge, und als Hüsmert 1957 ins wenige Kilometer von Plettenberg gelegene Dorf Herscheid zog, war er Schmitt auch räumlich einer der nächsten Freunde. Den vagen Traum, Schriftsteller zu werden, hatte Hüsmert trotz einiger Gedichtveröffentlichungen an prominenten Orten wie der FAZ zwar aufgegeben und war nach dem Examen zum Krupp-Konzern nach Essen gegangen, aber Gedichte schrieb er weiter und gab sie Schmitt auch zum Lesen. . .


Foto links: Ernst Hüsmert, Verwalter des persönlichen Nachlasses von Carl Schmitt, feiert heute seinen 80. Geburtstag. (WR-Bild: Raith)

Dass Hüsmert Gedichte schrieb, war für die Beziehung mit Schmitt allein insofern wichtig, als diese literarische Arbeit manches Gespräch begründete. Darüber hinaus konnte Hüsmert, der trotz eines Büros in der Krupp-Zentrale in Essen seine Arbeit als Beratender Ingenieur vorwiegend von Herscheid aus organisierte, und, im Gegensatz zu Schmitt über Auto und Telefon verfügte, Schmitt oft behilflich sein.”

Carl Schmitt, der Herr Professor, wie ihn seine Nachbarn im beschaulichen Plettenberg- Pasel zu titulieren pflegten, avancierte trotz seiner erwähnten umstrittenen Rolle im Dritten Reich (bis er 1936 durch die SS „entmachtet” wurde) nach 1945 bald wieder zu einem der einflussreichsten deutschen Philosophen und gilt heute als weltweit meistdiskutierter Klassiker des politischen Denkens: „Kein Denker ist zur Zeit so sehr Mann der Stunde”, schreibt Christian Linder in seiner Schmitt-Biographie, „zitiert in Berlin wie in Zürich, in Peking wie in Paris, in Venedig wie in London, in Jerusalem wie in Moskau, in Bagdad wie, vor allem dort, in Washington: Amerika betreibt im Sinne der (Schmittschen) Freund-Feind-Theorie gegenwärtig reinste Carl Schmitt-Politik.”

Zu Schmitts Lebzeiten (er starb 1985) reisten hochrangige Geister und Politiker von Ex-Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger über Publizist Johannes Gross, Philosoph Jacob Taubes bis hin zu „Spiegel”- Herausgeber Rudolf Augstein zum Gedankenaustausch ins beschauliche Sauerlandörtchen.

„Ernst Hüsmert war bei den legendären Diskussionen oft dabei. Sie begannen mit dem Abendessen, das Schmitt zelebrierte, der Tisch durfte auch nie abgeräumt werden, solange die Diskussionen dauerten, meist bis tief in die Nacht hinein.

Anfragen aus aller
Herren Länder

Die Besucher waren in Hotels von Plettenberg und Umgebung untergebracht, und oft gingen die Diskussionen am anderen Tag weiter, auf dem Bahnhof von Finnentrop. . .”, erinnert Christian Linder.

Kein Wunder, dass die Begegnung mit Carl Schmitt bis auf den heutigen Tag ein zentrales, wenn nicht sogar d a s zentrale Ereignis im Leben des Jubilars ist – ausgenommen das Beisammensein mit seiner Ehefrau Ursula sowie Tochter Dr. Nicola Cramer samt Familie. Den weltweiten Wirkungen, die das Werk Carl Schmitts heute entfaltet, kann und will Ernst Hüsmert sich nicht entziehen. Zumal er zum Verwalter des persönlichen Nachlasses Carl Schmitts bestimmt ist, sich vor diesem Hintergrund um die Herausgabe der frühen Tagebücher kümmert, Journalisten und Wissenschaftlern aus allen Herren Ländern Rede und Antwort steht und sich in dem 2007 gegründeten Carl-Schmitt-Förderverein engagiert.

HINTERGRUND
Tagebuch-Veröffentlichung
Ernst Hüsmert ist Herausgeber der "Jugendbriefe", der Briefschaften Carl Schmitts an seine Schwester Auguste (1905 bis 1913); von Carl Schmitts Tagebüchern Oktober 1912 bis 1915 sowie - gemeinsam mit Dr. Gerd Giesler - des Tagesbuches von Februar bis Dezember 1915 mit dem Titel "Die Militärzeit 1915 bis 1919" samt Aufsätzen und Materialien.
Geplant ist außerdem die Herausgabe der Tagebücher Carl Schmitts aus der Zeit von 1920 bis 1923.
Eigene Gedichte veröffentlichte der gebürtige Plettenberger Ernst Hüsmert unter dem Titel "Zwischen Mond und Stern" im Manutius Verlag Heidelberg.


Quelle: Süderländer Tageblatt, Herscheider Nachrichten vom 12.04.2008

Ernst Hüsmert: Ingenieur mit
lyrischen Ambitionen wird 80

"Reise in das Carl Schmitt-Land" als Geburtstagsgeschenk. Wahl-Herscheider fand durch Enthusiasmus für den Dichter Theodor Däubler zur Schreiberei

Herscheid. Das kleine Wörtchen "zwischen" scheint für das Leben von Ernst Hüsmert von besonderer Bedeutung zu sein: Ein Leben, das am 12. April 1928 begann und bei körperlicher und vor allem geistiger Frische nun schon 80 Jahre währt, das sich räumlich zwischen Plettenberg und Herscheid abspielte, das sich zwischen volkstümlichen Kontakten im dörflichen Umfeld und einer engen, freundschaftlichen Beziehung zu dem großen Statts- und Völkerrechtler Carl Schmitt vollzogen hat. Und schließlich ein Leben, in dem der Drang, die Geschichte der Heimat zu erforschen, den gleichen Rang einnahm, wie Erfahrungen in der weiten Welt zu sammeln.

Ein Leben, das in dem berufsbedingten Umgang mit Eisen und Stahl ebenso eine Erfüllung fand, wie in einer großen Anzahl lyrischer Gedichte, die in Mußestunden entstanden. Geradezu eine Genie, das in der Lage war, gegebenenfalls aus der Rolle des Studenten in die des Dozenten zu schlüpfen. Kein Wunder also, dass Ernst Hüsmert seinen kleinen Band ausgewählter Gedichte "Zwischen Mond und Stern" nannte, wohl wissend, dass über allem ein Höherer steht, der uns zu lenken und leiten weiß.


Der launige April hatte die Stadt Plettenberg noch einmal in ein weißes Winterkleid gehüllt, als Ernst Hüsmert das Licht der Welt erblickte. Die evangelische Volksschule in Eiringhausen und anschließend das Gymnasium in Plettenberg waren seine schulischen Stationen, bevor er durch den Krieg bedingt 1944 ein Praktikum in der Metallverarbeitungs- und Elektroindustrie aufnahm. Nach dem Besuch der Staatlichen Ingenieurschule in Hagen, in den Jahren 1947 bis 1949, die er mit dem Examen als Diplom-Ingenieur abschloss, fand er eine Beschäftigung als leitender technischer Angestellter in einer Plettenberger Gesenkschmiede.

Entscheidend für den ferneren Lebensweg sollte für Ernst Hüsmert der 60. Geburtstag Carl Schmitts am 11. Juli 1948 werden. In einem Kreis junger Leute lernte er Anima Schmitt, die Tochter des Jubilars, kennen. Nach Klavierdarbietungen und Gesangsvorträgen kam es im Verlauf des Abends zu einem sehr angeregten gespräch über den Dichter Theodor Däubler, "von dem ich damals geradezu enthusiastisch ergriffen war", berichtete Hüsmert später.

Dieser Enthusiasmus ließ ihn selbst zur Feder greifen und nur wenige Jahre danach war eins seiner ersten lyrischen Gedichte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen. Mittlerweile sind 50 ausgewählte Gedichte aus verschiedenen Schaffensperioden 1998 in einer Anthologie im Manutius-Verlag in Heidelberg erschienen.

In dem Gespräch mit Anima Schmitt erfuhr Ernst Hüsmert aber auch, dass ihr Vater sich eingehend mit den Werken Däublers beschäftigte. So war dieser Abend, wie das Geburtstagskind gern bezeugte, "der Beginn einer bis zu Carl Schmitts Tod währenden Freundschaft".
Beruflich führte Hüsmerts Weg 1957 als technischer Berater zur Kruppschmiede in Essen. Als echter Sauerländer zog es ihn jedoch nach einem kurzen Aufenthalt in der Ruhr-Metropole wieder in das Land der tausend Berge zurück. Herscheid wurde für die Familie Hüsmert zur neuen Heimat. Hier, in seiner neuen, aber durchaus nicht unbekannten Umgebung, fand Ernst Hüsmert schnell Kontakt. Seine Mitarbeit in der Ev. Kirchengemeinde und im Geschichts- und Heimatverein wurde allseits geschätzt. Auch beim Lyons-Club Lüdenscheid-Lennetal, dem er sich 1979 anschloss, war Hüsmert ein gern gesehener Gast.

Als der rührige Ingenieur nach 30-jähriger Tätigkeit Ende der 80er Jahre beim Krupp-Konzern ausschied, dachte er keineswegs daran, sich zur Ruhe zu setzen. Wie in seinen Jugendjahren zog es ihn noch einmal in die Hörsäle der Universität Dortmund, um sich dem Studium der Reformationsgeschichte mit dem Schwerpunkt Cleve-Mark zu widmen. Obwohl in den 90er Jahren seine Fachkenntnisse in der Stahlbranche noch einmal gefragt waren und ihn Geschäftsreisen als technischer Berater in die USA und in den fernen Osten führten, fand er ausreichend Zeit, um seine reichen Geschichtskenntnisse zu Papier zu bringen. Hatte er schon 1981 den Text zum Bildband "Plettenberg" geschrieben, so waren es nun Veröffentlichungen des Bergischen Geschichtsvereins über "Das Herscheider Chorgestühl" in der Apostelkirche, die auf Ernst Hüsmert aufmerksam machten. Wie kein anderer hat sich der Wahl-Herscheider mit dieser aussagekräftigen Tafelschnitzerei aus dem Jahre 1548 und ihren Stiftern auseinandergesetzt.

Eine herausragende Aufgabe besteht für Ernst Hüsmert zweifellos darin, als Testamentsvollstrecker den literarischen Nachlass des Plettenberger Staats- und Völkerrechtlers Carl Schmitt zu verwalten und zu bearbeiten. Seit dem Jahr 2000 hat er bereits in drei Büchern die Tagebuchaufzeichnungen und Briefe des Juristen für die Nachwelt aufbereitet. Ein viertes Buch, das den Inhalt der Tagebücher aus den Jahren 1920 bis 1923 widergibt, soll im kommenden Jahr folgen.

Zahlreiche Freunde und Weggefährten werden Ernst Hüsmert am heutigen Samstag zu seinem 80. Geburtstag, den er im Kreise seiner Familie im evangelischen Gemeindehaus in Plettenberg feiert, gern ihre Aufwartung machen. Die Heimatzeitung schließt sich den zahlreichen Gratulanten an.

Übrigens: Rechtzeitig zu seinem 80. Geburtstag würdigt der Lüdenscheider Christian Lindner die persönlichen Beziehungen Hüsmerts zu Schmitt in dem Buch "Der Bahnhof von Finnentrop - eine Reise ins Carl-Schmitt-Land" (an der früheren D-Zug-Station Finnentrop empfing Carl Schmitt in der Regel seine Gäste). Als Buch der Woche wird Christian Lindners neuer Band am morgigen Sonntag, 13. April, in der Zeit von 16.10 bis 16.30 Uhr im Deutschlandfunk vorgestellt.


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