Quelle: Wikipedia

Theodor Schmalenbach
* 10. September 1831 in Herscheid, † 7. Februar 1901 in Bethel, war ein evangelischer Theologe und Superintendent. Er war verheiratet mit Marie Schmalenbach geb. Huhold.

Theodor Schmalenbach entstammt einer wohlhabenden bürgerlichen Familie. Er war der Sohn des Gastwirts und Posthalters Peter Moritz Schmalenbach. In der Kreisstadt Altena besuchte er eine weiterführende Schule. Während dieser Zeit wohnte er bei seinem älteren Bruder, der dort im Schuldienst angestellt war. Ab 1848 besuchte er ein Dortmunder Gymnasium, das er im Herbst 1850 mit dem Abiturzeugnis verließ.

Im gleichen Jahr begann er in Halle (Saale) sein Theologie-Studium. Nach drei Semestern wechselte er nach Berlin über, setzte dort ein Jahr lang seine Studien fort und absolvierte schließlich noch ein sechstes Semester in Bonn. Seine theologischen Prüfungen legte er im Herbst 1853 und im Herbst 1854 in Münster ab.

Schmalenbach ging nach seinem ersten theologischen Examen 1853 als Lehrer an eine Privatschule in Preußisch Oldendorf. Hier bekam er in erste unmittelbare Kontakte zur Minden-Ravensberger Erweckungsbewegung, die seit etwa zwei Jahrzehnten das religiöse Leben in dieser Region zunehmend prägte.

Während der Oldendorfer Zeit lernte Schmalenbach auch seine spätere Frau kennen, Marie Huhold, die Tochter des ersten Superintendenten des Kirchenkreises Vlotho, Ferdinand Huhold, und heiratete am 22. Januar 1857. In den ersten sieben Ehejahren werden dem jungen Paar fünf Kinder geboren, ein Junge, der bereits wenige Wochen nach der Geburt stirbt, und vier Mädchen.


Superintendent Theodor Schmalenbach, geboren in Herscheid, war lange Jahre Pastor in Mennighüffen. Foto: Gottlieb Schäffer

Nach einigen Wirren wurde Schmalenbach 1863 eine Pfarrstelle in Mennighüffen übertragen.
Theodor Schmalenbach muss als Prediger eine tiefgreifende, nachhaltige Wirkung auf seine Zuhörer ausgeübt haben. Marie Huhold notiert 1854 in ihrem Tagebuch, nachdem sie ihn zum ersten Mal gehört hat: „Er redete gewaltig, oder vielmehr: das Wort Gottes war gewaltig in seiner Rede. ... Tief und mächtig war der Eindruck, den die Predigt auf mich machte. Ich war ganz gebeugt und doch auch wieder erhoben.“ In Mennighüffen stieg nach 1863 die Zahl der Gottesdienstbesucher stark an, die Sitzplätze reichten bald nicht mehr aus; dicht gedrängt standen die Menschen auch in den Gängen und zwischen den Bankreihen. Schmalenbach meinte, diese Überfüllung habe auch ihre gute Seite, denn wenn in der Kirche jemand ohnmächtig werde, könne er wenigstens nicht umfallen.

Wie in seinen Predigten versuchte er auch bei anderen Gelegenheiten, seine Pfarrkinder ganz persönlich seelsorgerlich anzusprechen. Das geschah vor allem bei Kranken- und sonstigen Hausbesuchen, aber auch bei zufälligen Begegnungen auf der Straße. Er erinnerte seine Gesprächspartner gern daran, dass man als Frucht ihres Glaubens eine Veränderung ihrer Lebensführung und eine Verbesserung ihres Verhältnisses zu den Mitmenschen erkennen müsse. Solche Unterredungen schloss er oft mit einem aufmunternden und zugleich mahnenden „Bessere dich!“.

Schmalenbach war als Prediger nicht nur im minden-ravensbergischen Raum gefragt. Er erhielt Einladungen aus vielen Orten Nord- und Westdeutschlands. So predigt er z. B. auf Missionsfesten in Bückeburg, in Altena, in Elberfeld und Barmen, dem Sitz der Rheinischen Mission, in Warburg, Marburg, Wiesbaden, in mehreren Orten Ostfrieslands, Schleswig-Holsteins und Mecklenburgs, in Braunschweig, in Magdeburg und beim Chinafest der Berliner Mission.

Als junger Hilfsprediger in Minden gab Schmalenbach bereits ein „Sonntagsblatt“ heraus. Inhalt und Aufbau seines kleinen Blättchens ähneln sehr stark dem „Evangelischen Monatsblatt für Westfalen“, für das Schmalenbach auch schon während seiner Mindener Zeit Beiträge lieferte. Dieses Monatsblatt, bei den Lesern wegen der Farbe seines Umschlags auch „blaues Heft“ oder „blaues Buch“ genannt, ist das auflagenstärkste Presseerzeugnis im ostwestfälischen Raum, und in manchen Landgemeinden fehlte es in kaum einem Hause. Im September 1856 veröffentlichte das „Evangelische Monatsblatt“ zum ersten Mal eine Predigt des jungen Mindener Hilfspredigers Schmalenbach. Er lieferte dann Jahr für Jahr weitere Predigttexte; bis zu seinem Lebensende werden es etwa hundert. Aber es bleibt nicht bei den Predigten. Im März 1860 beginnt er eine große Artikelserie über Luthers Katechismus. Fast fünf Jahre lang - bis zum Dezember 1864 - führt er die Leser durch alle fünf Hauptstücke und absolviert mit ihnen einen Grundkurs in Fragen des christlichen Glaubens. Im folgenden Jahr wird die Artikelserie als Buch herausgegeben.

1863 - im Jahre seiner Berufung nach Mennighüffen - wurde Schmalenbach als einer der fähigsten und fleißigsten Autoren in den Kreis der Herausgeber und Redakteure des Monatsblattes aufgenommen und leitete zusammen mit Johann Heinrich Volkening und Pastor Gottlieb Schroeder aus Bünde die Zeitschrift.

Sieben Jahre lang, von 1874 bis 1881, lieferte Schmalenbach für das Monatsblatt erbauliche Beiträge unter dem Titel „Eine stille halbe Stunde“. 1885 gibt Bertelsmann die Sammlung dieser kleinen Andachten unter dem Titel „Stille halbe Stunden“ in zwei Bänden heraus. Das Werk erlebt mehrere Neuauflagen.

Auf Veranlassung seines ehemaligen Lehrers, Professor Wilhelm Hengstenberg, übernahm er in Zusammenarbeit mit seinem Freund, dem Gütersloher Pastor Theodor Braun, und dem Pastor in Schildesche, Karl Siebold, die Bearbeitung des „Hausbuches“, eines Andachtsbuches mit täglichen Andachten für das ganze Jahr. Im November 1868 war es fertiggestellt und wurde beim Evangelischen Bücherverein in Berlin herausgegeben. Das Buch wurde ein verlegerischer Erfolg; im Jahr 1894 erlebte es seine 13. Auflage.

1873 erschien Schmalenbachs umfassender Bericht über die „Innere Mission in Westfalen“. Schließlich verfasste er den zweiten Teil des kleinen Gebetbuches „Rogate“, dann eine kurze Lebensbeschreibung des alten Valentin, seines Freundes aus Todtenhausen. Seine letzte größere publizistische Arbeit galt seinem Lehrer, Professor Wilhelm Hengstenberg. Schmalenbach schrieb den dritten Band der Biographie Hengstenbergs, weil der Autor der beiden ersten Teile, Johannes Bachmann, nach deren Vollendung starb. 1892 lag das Werk fertig vor.

Nach Schmalenbachs Tod werden noch zwei Sammlungen seiner Predigten herausgegeben: die erste von seiner Witwe im Jahre 1902, eine zweite 1939 von Arthur Dehmel, dem späteren Superintendenten des Kirchenkreises Vlotho. Schon als junger Pfarrer ist Schmalenbach Mitglied der westfälischen Provinzial-Synode und gehört ihr bis zu seiner Emeritierung an. 1884 wählt die Provinzial-Synode ihn in die General-Synode der altpreußischen Landeskirche. Hier wartet auf Schmalenbach sehr viel Arbeit. Er gehört nämlich seit 1891 zum Synodalrat, von 1892 bis 1894 außerdem zur Agende-Kommission, die die neue preußische Agende von 1894 vorbereitet, und wird sogar deren Vorsitzender.

Im November 1885 wird er Superintendent des Kirchenkreises Herford, nachdem Hermann Ameler, der bisherige Superintendent, im Alter von 74 Jahren sein Amt niedergelegt hat. Schmalenbach ist nach Volkenings Ausscheiden aus dem Pfarramt nicht nur der führende Geistliche der Erweckungsbewegung in Minden-Ravensberg, sondern war von 1872 bis 1899 auch der Vorsitzende einer politischen Partei, nämlich der Christlich-Konservativen Partei Minden-Ravensbergs.

Am 6. Dezember 1897 wird er mit einigen anderen Geistlichen vom Kaiserpaar zu einer Abendgesellschaft nach Potsdam eingeladen. Seine Berichterstattung über dieses außergewöhnliche Ereignis fällt sehr knapp aus: „Ich habe mich sehr gefreut.“ Im Januar 1897 hatte ihm der Kaiser den Roten-Adler-Orden verliehen. Am 7. Februar 1901 stirbt er an einer Lungenentzündung und wird am 11. Februar auf dem Kreuzfriedhof in Mennighüffen beerdigt.


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