Quelle: "Wir stammen aus altem Bauern- und Schmiedegeschlecht", Eberhard Winkhaus, 1932, S.541-740 (im Archiv H. Hassel)

Das Geschlecht Wever, hier S. 654:
Heinz Theodor Wever

Heinz Wevers Vater war Carl Friedrich Wever, *06.01.1856 Herscheid, der wiederum das älteste von vier Kindern des Theodor Wever (*12.08.1828 †21.03.1891, Spitzname "Hypothekenwever") und der Amalie Turck (*15.01.1835 Brandenburg b. Valbert †17.07.1905 Herscheid) war, die 1854 geheiratet hatten.

Carl Friedrich Wever hatte am 12.09.1888 die Johanna Biesenbach, *19.03.1866 Forsten, geheiratet. Sie hatten die vier Kinder Helene Amalie (*18.06.1889 Herscheid), Heinz Theodor (*31.12.1890 Herscheid), Karl Friedrich Wilhelm (*05.01.1895 Herscheid) und Margaretha Anna Hulda (*22.02.1899 Herscheid).

Heinz T. Wever, *31. Dezember 1890, bekam als väterliches Erbteil einen stark künstlerischen Einschlag mit. Schon Großvater Theodor wie auch Vater Carl hatten ausgeprägtes Zeichentalent, das sich auf alle Kinder vererbte, bei Heinz aber am markantesten in Erscheinung trat. Als kleiner Knirps, dem das Sprechen noch schwer fiel, lag er gern mit einem Stückchen Kreide auf dem Fußboden, ein Schiff, den Ofen, die Kirche malend.

Als er das Einjährigen-Examen (Mittlere reife) bestanden hatte, wollte er die Schule mit der Kunstakademie vertauschen. Den Eltern war aber nicht nur die Künstlerlaufbahn zu unsicher, sie trugen auch Bedenken, ob sein Talent ausreichen würde. Man suchte seine Zeichnungen zusammen und sandte sie dem der Mutter befreundeten Kunstmaler Professor Walter Petersen in Düsseldorf zur Beurteilung. Bei der ausgesprochenen Begabung riet dieser, den Jungen von der Schule gehen zu lassen, wer einmal geborener Künstler sei, der könne sich nicht früh genug der Kunst widmen.

Die vorsichtigen Eltern bewogen aber den Professor, einen weniger günstigen Brief zu schreiben und zur Absolvierung der Schule zu raten, um Heinz für den dornenvollen Weg eines Künstlers eine mit dem Abiturienten-Examen abgeschlossene Ausbildung zu geben. Und das dankt ihnen Heinz noch heute!

Auf der Kunstakademie begann nach bestandenem Abiturium die künstlerische Ausbildung. Am 1. Oktober 1913 trat er als Einjährig- Freiwilliger bei dem Kgl. 2. Rheinischen Feldartillerie-Regiment Nr. 23 zu Coblenz ein, mit dem er am 8. August 1914 ins Feld rückte. Am 23. September 1914 wurde er bei Perthes durch Knie- und Beinschüsse verwundet, kam im Dezember 1914 zum Regimente zurück, wurde zum Leutnant der Reserve befördert und mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

In den folgenden Kriegsjahren kämpfte er in der Champagne, an der Aisne und an der Somme, dann im Osten am Styr und am Stochod. Am 31. Dezember 1916 zum Feldartillerie-Regiment Nr. 6 versetzt, kam er zum Westen zurück, nahm an den Kämpfen in Flandern, am Chemin des Dames, bei Armentieres und Saint Mihiel teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.

Heimgekehrt, vollendete er unter wirtschaftlich völlig veränderten Verhältnissen seine Studien in Düsseldorf. Monate künstlerischer Tätigkeit auf der Burg Altena schlossen sich an. Dort war er im frohen Kreis ein durch seinen Frohsinn, seine musikalische und künstlerische Begabung geliebter und hochgeschätzter Gesellschafter.

Künstlerisches Reifen brachten Reisen nach Italien und Nordafrika. 1926 gelang es ihm, auf der "Vaterland" des Grafen Luckner, des durch seine Kriegskaperfahrten berühmten Kommandanten des "Seeadlers", als Schiffsmaler (Anstreicher) ohne Heuer anzukommen. Krieg und Umsturz aller Verhältnisse hatten ihm die künstlerischen Wanderjahre genommen, die er nun nachholte. In 32-tägiger Fahrt schaukelte er von Bremerhaven nach New York. Um Land und Leute der Vereinigten Staaten kennen zu lernen, musterte Heinz dort ab. Zwei Jahre bereiste er Amerika. Dort hatte er Gelegenheit, für die Steubengesellschaft, den Deutschamerikanischen Block, ein historisches Festspiel zu verfassen, das er im Madison-Square-Garden vor 20.000 Zuschauern in Szene setzte, immer wieder große Begeisterung hervorrufend. 1929 bereiste er mit dem Schriftsteller Josef Ponten in einer neunmonatlichen 25.000 km langen Autofahrt 38 der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

1926 war er schon auf der Gesolei-Ausstellung in Düsseldorf mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen hervorgetreten. Durch 60 illustrative, figürliche Kartons und 32 Porträts der Organisatoren und hervorragenden Mitarbeiter der Ausstellung (Aufträge des Staates, der Provinz und der Stadt Düsseldorf) wurde er der weitesten Öffentlichkeit bekannt. Für die Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresden 1930/31 zeichnete er für die Abteilung "Aberglaube und Gesundheit" über 50 Kartons.

Die Not der Zeit biegt seine Tätigkeit als freischaffender Künstler zum großen Teile ab auf angewandte Kunstgebiete der Illustration, Plakatwerbung und Propaganda, letztere besonders für die Rechtsparteien, den "Stahlhelm", Bund der Frontsoldaten und andere. Von ihm wurde das Düsterberg-Plakat zur 1. Reichspräsidentenwahl 1932 gezeichnet. Unverheiratet lebt er zu Berlin.


Familie Hanne und Heinz Wever mit den drei Kindern


Die Tante von Winfried Rinke, Hanne Wever, heiratete nach dem Krieg den 1890 in Herscheid (Sauerland) geborenen Künstler Heinz Wever. Dieser hatte an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und gehörte zeitweise der Künstlervereinigung „Das junge Rheinland“ um die legendäre Galeristin Johanna Ey an. Die Illustrationen von Motiven einer Reise, die Heinz Wever im Jahre 1929 zusammen mit dem Schriftsteller Josef Ponten aus Raeren unternommen hatte, inspirierten Winfried Rinke zu eigenen zeichnerischem Schaffen.
Die Illustrationen von Heinz Wever waren zuletzt 1995 im Kunstmuseum Düsseldorf ausgestellt. Die Illustrationen und Reiseberichte von Heinz Wever sind erschienen in dem Kunstband „Ergreifen, was zu fassen ist – aus den illustrierten Reisetagebüchern, Reise durch die USA 1929,“ herausgegeben von Hanne Wever, Zimmermann-Verlag GmbH Balve, ISBN-Nr. 3-89053050-8.



Propagandaplakat “Göring-Plakat” (1935) Hrsg.: Reichsluftschutzbund Entwurf: Heinz Wever
Das Plakat zitiert aus einer Rede Hermann Görings, dem damaligen Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Zweck war die Stärkung des Selbstbewusstseins der im Luftschutz tätigen “Volksgenossen” und natürlich auch die Mitgliederwerbung.

Kyffhäuser-Jahrbuch 1936 Berlin, Geisbergstraße 2, Kyffhäuser Verlag, [1935]. Mit Kalendarium und zahlreichen Abbildungen. 4°, ca. 27 x 19,2 cm, 143 S., Originalbroschur. Druck von F. Hessenland GmbH, Stettin. Umschlagzeichnung von Heinz Wever, Textzeichnungen von Theobald Lange. Mit einem Wandkalender und einer farbigen Beilage.


Quelle: "Westfälische Autorenlexikon 1750-1950", im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe herausgegeben und bearbeitet von Walter Gödden und Iris Nölle-Hornkamp unter Mitarbeit von Annette Gebhardt, Jochen Grywatsch, Henrike Gundlach und Ursula Heeke, das von 1993 bis 2002 im Schöningh Verlag in Paderborn erschienen ist.

Heinz Wever
Geboren am 31. Dezember 1890 in Herscheid/Sauerland als Sohn eines Gemischtwarenhändlers. Besuch der Dorfschule und des Gymnasiums in Altena. 1911 bis 1913 Besuch der Düsseldorfer Kunstakademie. 1913 freiwilliges Jahr im Elsaß. Im Ersten Weltkrieg Soldat an der Westfront. Danach Zeichner, Maler und plattdeutscher Schriftsteller. Bekanntschaft u.a. mit den Malern Otto Pankok, Joseph Klemm, Wilhelm Schmurr. Zahlreiche Reisen nach Österreich, Frankreich, Italien, Nordafrika. Er segelte mit Graf Luckner nach Amerika – während der Fahrt entstanden zahllose Skizzen und Zeichnungen. Anschließend dreijähriger Amerika-Aufenthalt, enge Kontakte zur Steuben-Schurz-Gesellschaft, für die er die Festspiele zum 150. Jubiläum der Ankunft General Friedrich Wilhelm von Steubens in Amerika organisierte. 1929 neunmonatige Reise durch 39 Staaten der USA mit dem rheinischen Schriftsteller Josef Ponten. Es entstanden (unveröffentlichte) illustrierte Reisetagebücher und nahezu tägliche Reisebriefe an die Familie. Von 1930 bis 1937 lebte und arbeitete er in Berlin, danach Rückkehr nach Herscheid. Er porträtierte u.a. Fritz Thomée und Theodor Heuss. Im Wever-Haus in Herscheid, in dem er mit seinen Eltern, nach 1940 mit seinen Schwestern und von 1946 an mit seiner Familie lebte, wurden Dichterlesungen und Hauskonzerte veranstaltet. Hier verkehrten u.a. Else Hueck-Dehio und Josefa Berens-Totenohl. Er starb am 15. August 1966 in Bad Nieder-Breisig/Rhein.


Sohn Peter Wever, *1950 in Herscheid geboren, widmet sich seit seinem zwanzigsten Lebensjahr der Kunst. Nach einem Studium der freien Grafik an der Kunsthochschule Kassel, Aufenthalten in Irland, den USA und Guatemala ist er seit 1983 freischaffender Künstler.
1950 geboren, aufgewachsen in Herscheid/Sauerland 1970 bis 76 Studium der Kunsterziehung und freien Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in der Gesamthochschule Kassel. 1976 bis 77 DAAD-Stipendium am National Collage of Art and Design in Dublin/Irland. 1978 bis 79 Zwei Jahre Studienaufenthalt in den USA und Guatemala. seit 1980 als Bildermacher in Berlin, dazwischen 1981-82 Refendarzeit. seit 1980 freischaffend
Zahlreiche Ausstellungenim In- und Ausland, Beteiligungen an internationalen Grafik-Bienalen wie Krakau/Kattowitz,Frechen, Yokohama, Kairo, Grenoble, Charkow/Ukraine und Budapest.


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